Jeder kennt das Problem, neue gute Musik zu finden. Aus diesem Grund werde ich hier nun das erste Mal in meinem Leben eine Rezension schreiben. Darauf sollten alle Musikliebhaber gewartet haben, denn schließlich besitze ich den ultimativen Musikgeschmack! Um die Glaubhaftigkeit des vorherigen Satzes zu widerlegen, beginne ich mit Igorrr, einem (geisteskranken?) Multi-Instrumentalisten aus Frankreich.
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Als Beispiel-Exemplar eines zu beschreibenden Albums soll Teil 1 meines liebsten Albums von ihm her halten, des 2010 veröffentlichten Poisson Soluble. Das passt zudem auch besser, da die anderen Alben von ihm verrückter sind. (Ich möchte euch ja nicht ab schrecken!) Genau das ist nämlich der Stil von Igorrr. Er mischt sehr viele Genres miteinander, bildet auf den ersten Hör völliges Chaos. Bei weiterem Hören fällt einem ultimativem Kenner wie mir aber natürlich auf, dass jeder einzelne Ton genau kalkuliert ist. Alles befindet sich an der richtigen Stelle. Obwohl akustische Fehler eingebaut wurden, könnte ich vermutlich jeden echten, unbeabsichtigten Fehler bei der Wiedergabe heraus hören. Bestätigt wird diese Annahme durch vereinzelte normale Songs mit Perfektion, doch dazu kommen wir später. Je öfter ich höre, desto genialer empfinde ich seine Musik.
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01: Petit Prélude Périmé

Angenehm beginnt es mit Gezwitscher. Auf die richtige Erwartungshaltung gegenüber dem Album wird man jedoch bei Sek. 21 gebrAchT. Es StaRteN bEkaNntE ScHlaGzeUgpAssAgeN auS MeTal, UntErbrochen von erneuten Vogelklängen sowie abgeschlossen durcHjmhio+wh zioGMH R()zIZHI OHioGMhoiGUI%g

VERDAMMT!!! Meine Ohren sind kaputt! Wie soll ich denn jetzt die durch laufende Musik beurteilen?!
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05: Dexit Dominus

Ah, jetzt geht es wieder…

Ungewohnt für Igorrr-Verhältnisse hat der nun verunsicherte Hörer es bei diesem Song mit einem eher normalem Werk zu tun! Es startet mit ruhigen Glocken-Melodien begleitet von atmosphärischen Klängen, erinnernd an klassische Horrorspiele. Später wird der Empfindung durch anspruchsvolle Rhythmen die Krone aufgesetzt, welche zwar an Igorrrs Stil erinnern, jedoch keinesfalls ausgeflippt erscheinen. Ich bin regelrecht in dieses Musikstück versunken. Später in diesem Lied konnte sich Igorrr zwar kurzzeitig nicht zurück halten und musste zwingend eine klitzekleine Metal-Passage ein bauen. Das stört erstaunlicher Weise aber nicht das Gesamtbild dieses grandiosen Meisterwerks. Es ist mein Highlight dieses Albums!
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06: Dieu Est-Il Un Être

Ganz klassischen Igorrr findet man dann mit akustischen Fehlern und unpassenden Einspielern. Zuerst lässt Igorrr uns sein Lieblingsgenre Baroque genießen, bis nach und nach das Schlagzeug einsetzt, Fehler sich häufen und eine Stimme zu sprechen beginnt. Diese klingt nach französisch, könnte allerdings auch wie oft eine gleich klingende, aber erfundene Sprache sein. Mit willkürlichen Tönen werden wir …
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… in den zweiten Teil des Albums entlassen. Auch dieser bietet sowohl Wahnsinn als auch Meisterwerk. Ich empfehle wirklich sehr, sich bei passendem Gemütszustand auf Igorrrs Werke einzulassen. Er wird euch akustisch zeigen, was es bedeutet, über einen Tellerrand zu schauen. „Normalität ist wie eine gepflasterte Straße. Man kann gut darauf gehen, doch es wachsen keine Blumen auf ihr.“, sagte schließlich schon Gogh.